Bodenrichtwert beim Immobilienverkauf: Bedeutung und richtige Nutzung
Der Bodenrichtwert ist ein durchschnittlicher Lagewert für einen Quadratmeter unbebauten Bodens in einem bestimmten Gebiet, ermittelt vom amtlichen Gutachterausschuss. Beim Immobilienverkauf dient er als Orientierung für den Grundstücksanteil und als erster Anhaltspunkt für die Preisfindung. Einsehbar ist er für viele Regionen kostenlos über Portale wie BORIS. Er ersetzt allerdings keine individuelle Bewertung, da er besondere Merkmale Ihres Grundstücks nicht abbildet.
Was bedeutet „Bodenrichtwert“?
Der Bodenrichtwert wird von den unabhängigen Gutachterausschüssen der Gemeinden aus tatsächlichen Kaufpreisen abgeleitet und in Euro pro Quadratmeter für sogenannte Bodenrichtwertzonen ausgewiesen. Er bezieht sich auf ein fiktives, unbebautes Grundstück mit den typischen Eigenschaften der Zone. Damit ist er eine wichtige Grundlage für Bewertungen, fließt in die Ermittlung des Verkehrswerts ein und spielt seit der Reform auch bei der Grundsteuer eine Rolle.Warum das beim Immobilienverkauf wichtig ist
Der Bodenrichtwert hilft Ihnen, den Wert des Grund und Bodens grob einzuordnen, bevor Sie einen Preis festlegen. Für Käufer und Banken ist er ein nachvollziehbarer, amtlicher Referenzpunkt. Gerade bei Grundstücken und Häusern, bei denen der Bodenwert einen großen Teil des Gesamtwerts ausmacht, ist er ein nützlicher Ausgangspunkt. Wer ihn kennt, kann seinen Angebotspreis besser begründen und Verhandlungen sachlicher führen.Wann sollten Sie sich darum kümmern?
Nutzen Sie den Bodenrichtwert ganz am Anfang, wenn Sie sich ein erstes Bild vom Wert Ihres Grundstücks machen. Er ist hilfreich bei der Festlegung des Angebotspreises und um die Einschätzung eines Marktwerts einzuordnen. Spätestens wenn Käufer nach der Grundlage Ihres Preises fragen, sollten Sie ihn kennen. Verlassen Sie sich aber nicht allein darauf – für den endgültigen Preis zählt die individuelle Lage und Beschaffenheit.Bodenrichtwert beschaffen: So gehen Sie vor
Bodenrichtwerte stellen die Gutachterausschüsse über offizielle Portale bereit – in vielen Bundesländern kostenlos über das System BORIS. Auch die Geoportale der Länder und Kommunen bieten Einsicht. Für amtliche Auszüge können geringe Gebühren anfallen. Hier sollte auf das BORIS-Portal beziehungsweise den Gutachterausschuss Ihres Bundeslandes verlinkt werden.Diese Informationen sind enthalten
- Bodenrichtwert in Euro pro Quadratmeter
- Abgrenzung der Bodenrichtwertzone
- Stichtag des Werts
- typische Merkmale wie Art und Maß der baulichen Nutzung
BeispielBodenrichtwert · Vereinfachtes Rechenbeispiel
Grundstück
- Lage
- Musterstadt, Zone W-Süd
- Fläche
- 500 m²
- Bodenrichtwert
- 320 €/m² (Stichtag 01.01.)
Überschlag
- Rechnung
- 500 m² × 320 €/m²
- grober Bodenwert
- ≈ 160.000 €
- Hinweis
- Lage, Zuschnitt und Gebäude noch nicht berücksichtigt
Vereinfachtes Rechenbeispiel – Werte frei erfunden, ersetzt keine individuelle Bewertung.
Welche Angaben brauchen Sie dafür?
- Adresse oder Lage des Grundstücks
- Flurstück und Gemarkung (für genaue Zuordnung)
Kosten: Womit müssen Sie rechnen?
Die Online-Einsicht ist in vielen Bundesländern kostenlos. Für amtliche, schriftliche Bodenrichtwertauskünfte kann eine geringe Gebühr anfallen, deren Höhe vom Gutachterausschuss abhängt.Wie lange dauert die Beschaffung?
Die Online-Abfrage liefert den Wert in der Regel sofort. Eine schriftliche amtliche Auskunft dauert je nach Stelle einige Tage.Typische Fehler von Eigentümern
- Den Bodenrichtwert mit dem Verkaufspreis gleichsetzen
- Den Wert des bebauten Grundstücks allein daraus ableiten
- Besondere Lage- oder Grundstücksmerkmale ignorieren
- Den Stichtag des Werts übersehen
- Auf eine individuelle Bewertung ganz verzichten
Dos & Don'ts
✓ Dos
- Den Bodenrichtwert als ersten Anhaltspunkt nutzen
- Den passenden Stichtag und die Zone beachten
- Ihn mit Vergleichspreisen und einer Bewertung kombinieren
- Besonderheiten des Grundstücks zusätzlich berücksichtigen
✕ Don'ts
- Den Preis allein am Bodenrichtwert festmachen
- Gebäudewert und Bodenwert vermischen
- Veraltete Werte ungeprüft übernehmen
Bedeutung für Bewertung, Finanzierung und Notar
Für die Bewertung ist der Bodenrichtwert eine zentrale, aber nicht alleinige Größe – der Verkehrswert ergibt sich erst im Zusammenspiel mit Lage, Zustand und Gebäude. Banken nutzen ihn zur Plausibilisierung der Finanzierung. Für den Notar ist er nicht direkt relevant; er beurkundet den vereinbarten Kaufpreis.Unterschied nach Objektart
Besonders aussagekräftig bei unbebauten Grundstücken, bei denen der Boden den Hauptwert ausmacht. Bei Häusern liefert er den Bodenanteil, beim Wohnungsverkauf spielt er nur eine untergeordnete Rolle, da hier der Gebäude- und Lagewert überwiegt.Praxisbeispiel
Eine Eigentümerin will ein Baugrundstück verkaufen und ruft zunächst den Bodenrichtwert über das Landesportal ab: 320 Euro je Quadratmeter. Bei 500 Quadratmetern ergibt das einen groben Bodenwert von rund 160.000 Euro. Weil ihr Grundstück eine besonders ruhige Ecklage hat, lässt sie den Wert zusätzlich individuell prüfen und setzt den Angebotspreis fundiert an.
Checkliste für Eigentümer
- Haben Sie den aktuellen Bodenrichtwert Ihrer Zone abgefragt?
- Stimmen Stichtag und Zone für Ihr Grundstück?
- Haben Sie Boden- und Gebäudewert getrennt betrachtet?
- Sind Besonderheiten der Lage berücksichtigt?
- Ergänzen Sie den Wert durch eine individuelle Bewertung?
Fazit
Der Bodenrichtwert ist ein wertvoller, amtlicher Ausgangspunkt, um den Wert von Grund und Boden einzuschätzen. Er ist kostenlos einsehbar und macht Ihre Preisvorstellung nachvollziehbarer. Allerdings bildet er nur den Durchschnitt einer Zone ab und ersetzt keine individuelle Bewertung. Wer ihn mit Vergleichspreisen und den Besonderheiten seines Grundstücks kombiniert, findet einen fundierten und marktgerechten Preis.Häufige Fragen zu Bodenrichtwert
Was ist der Bodenrichtwert?
Ein vom Gutachterausschuss ermittelter Durchschnittswert für einen Quadratmeter unbebauten Bodens in einer bestimmten Lage.
Ist der Bodenrichtwert der Verkaufspreis?
Nein. Er ist nur ein Anhaltspunkt; der erzielbare Preis hängt von vielen weiteren Faktoren ab.
Wo finde ich den Bodenrichtwert?
Über offizielle Portale der Gutachterausschüsse, in vielen Ländern kostenlos über BORIS.
Was kostet die Auskunft?
Die Online-Einsicht ist häufig gratis; amtliche schriftliche Auszüge können eine geringe Gebühr kosten.
Gilt der Bodenrichtwert auch für Wohnungen?
Nur eingeschränkt – bei Eigentumswohnungen überwiegt der Gebäude- und Lagewert.
Beeinflusst er die Grundsteuer?
Ja, seit der Grundsteuerreform fließt der Bodenrichtwert in die Berechnung mit ein.
Kann Sloothy helfen?
Ja, Sloothy hilft Ihnen, den Bodenrichtwert richtig einzuordnen und mit weiteren Faktoren zu einem realistischen Preis zu verbinden.

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